Unsere grauen Zellen müssen auch manchmal abschalten. Der Neurobiologe Yi Hong vom Cold Spring Harbor Laboratory in New York hat das jüngst entdeckt. Sonst kann unser Gehirn gar nichts Neues richtig abspeichern.
Ja, wie soll ich mir das jetzt vorstellen? Gehirn macht Pause… Setzen sich da ein paar graue Zellen einfach so auf die nächst beste Ganglie und lassen ihre Zellentürchen schwingen? Was sag' ich ein Paar - das sind dann natürlich ein paar Hunderttausend. Und die Sitzen dann so und plaudern dann so miteinander was man halt so plaudert in einer Pause. „Hast du gehört, der Hirnederl hat gestern wieder ein Schmerzmittel angefordert?“ sagt die eine und ihre Nachbarin schüttelt ein Blutgefäß: „Ja, der Eduard Hirn ist Allergisch gegen Kater. Was der schon mit den Leberzellen gestritten hat…“
Eine andere Hirnzelle wiederum macht sein Brotzeitkofferl auf und knabbert ein paar Nüsse wegen des Leistungssteigerers Cholin. „Was sich die immer dopen muss… na ja, seit ich denken kann schwächelt sie so im Rechenzentrum umadum“, spötteln andere.
Jetzt stellt sich selbstverständlich die Frage, was machen wir Menschen in der Zeit, wo unsere Gehirnzellen eine Erholungspause einlegen. Ich hab dazu eine meiner Zellen befragt und die Antwort war sehr einfach.
„Für die meisten Menschen geht der Tag ganz normal weiter. Sie merken nichts. Schließlich sind sie auf hirnloses Handeln trainiert. Gerade wenn wir Gehirnzellen Pause machen, nützen viele Menschen die Zeit um sich zu vergnügen. Früher haben sie eine Runde um den Häuserblock gedreht oder im Garten Unkraut gezupft. Jetzt tun’s fernsehen oder sie steigen in ihr Auto und fahren in unserer Erholungspause irgendwo hin. Offenbar haben die Menschen Autofahren als ideale Tätigkeit entdeckt, um auch ohne uns Gehirnzellen auszukommen.“
Weil Autofahren heute sehr das Börsel belastet, haben vife Gehirnzellen in ihrer Arbeitszeit dem Menschen ein neues Pausenvergnügen beschert: Soziale Netzwerke genannt. Facebook, aka’aki, Twitter oder so sind Einrichtungen im Internetzeitalter, wo sich weltweit Menschen in den Pausenzeiten ihrer Gehirnzellen gefahrlos und mit geringen Kosten austauschen können.
Und was graue Zellen an dieser, ihrer Entwicklung besonders freut, es spielt keine Rolle, wenn sie einmal über mehrere Stunden pausieren oder sogar tagelang in einer Hängematte aus Ganglien schlummern. Die Menschen sind von Facebokk etc. dermaßen fasziniert, dass sie das Regenerieren ihrer grauen Zellen gar nicht merken..
Je hirnzellenabstinenter der Zustand, desto verständlicher die soziale Kommunikation. Ein morgenaktiver Moderator schreibt dann etwa mehrmals die Woche nur: „Bin unterwegs nach Wien“ und schon fühlen sich wenigstens 20 soziale Netzwerker davon so angetan, dass sie begeisterte Kommentare folgen lassen müssen. Um die grauen Zellen in ihrer Pause nicht zu stören, steht dann einfach nur Banales in der Antwort. „Bravo!“, „Schön für dich!“, „Komm gut zurück!“
Zum Glück packt in dieser Zeit offenbar niemals eine graue Zelle die Arbeitswut, sonst wäre ja vielleicht zu lesen: „Bist nicht abgegangen“, oder „Wann bleibst du endlich dort?“
Völlig Unbekannte rücken so plötzlich in den Mittelpunkt des geistigen Pausenprogramms. „Bin jetzt essen“, „Bin müde“. Andere wieder lassen die Welt an ihrer ausgeprägten Beobachtungsgabe teilhaben: „Heute wieder kein Sonnenschein“ oder „Wochenende vorbei, muss wieder arbeiten“.
Jetzt meinen Sie, wo Sie Pausen Ihres Gehirns zum Unkraut zupfen oder für einen Spaziergang nutzen, derartiges könne nur jugendliche Gehirnaussetzer betreffen. Nicht doch!
Erst kürzlich saß ich bei meinem urgemütlichen Wirten in Flandorf um meinen Zellen eine Auszeit zu gönnen, als eine Damenrunde die Lokalität betrat. Aktive, fröhliche, putzmuntere Damen im tiefsten Mittelalter und älter. Und nachdem die Auswahl an Tortenstücken und Kaffeefarbe getroffen war, startete das der übliche Smalltalk. Oder eigentlich doch nicht.
Denn tatsächlich ging es um das Thema Austausch von E-Mail-Adressen, die Eroberung des Alltags durchs Internet und den Vorsprung der US-Amerikaner im Gebrauch dieses Mediums. Und – welcher Fortschritt etwa Facebook sei, nur leider etwas unsicher und zu wenig intim.
Meine inzwischen wieder am Arbeitsplatz erschienen grauen Zellen hat das Gespräch selbstredend sehr in Anspruch genommen. Was letztlich zu folgendem Abkommen zwischen meinem Gehirn und mir geführt hat: Soziale Netzwerke werden nur in der gehirnaktiven Zeit konsumiert, weil es da viel zu Lachen gibt. In den Ruhepausen der kleinen Denker, bleibe ich dem Computer fern.
Und daran halte ich mich: Tschüss und Servus!
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Dienstag, 29. September 2009
Medien-Schlagzeilen, die mich bewegen
In einer Zeit, die immer schnelllebiger wird, erfassen wir ja oft nur mehr Schlaglichter, kurze Sequenzen des Alltagslebens - eben die Schlagzeilen des Erdweltenraums.
Wie schnell und daher auch chaotisch selbst die Zeit vergeht, sehen wir immer häufiger an den doch sonst so betulichen Jahreszeiten. Ein Frühling der uns z.B. schon Sommertage beschert, ein Sommer, der so schnell vergangen ist, dass ich ihn nur im spanischen Urlaub echt wahrgenommen habe und dann ein Herbst, der wahrlich prächtig ist, von dem wir aber im Nachhinein sagen werden, dass er ein warmer Winter war. Was allerdings in Realität nur die Skifahrer wahrnehmen werden, wenn sie sich im Mai auf den ersten Schnee freuen.
Wie gesagt, alles vergeht schneller, überholt sich dabei häufig selbst und wir kommen gar nicht mehr zum Reagieren, weil dann alles schon wieder vorbei ist.
Typisches Beispiel etwa sind die Nachrichten aus aller Welt und dem Nachbarhaus. Das Lesen einer Zeitung ist oftmals bereits reine Zeitverschwendung, denn der wesentliche Inhalt wurde mir bereits Stunden vorher in bewegten Bilden im TV präsentiert. Nun hätte man ehedem gemeint, man kann so durchs Lesen sein Wissen vertiefen - ja, hätte man nicht schon vor dem Fernsehen alles noch besser im Internet gesehen und gelesen und nun, wo einen die größte Tragödie nach 3-maliger Wiederholung bereits anödet, die ultimative allerletzte Entwicklung in diesem und jedem Fall am Mobiltelefon abgelesen.
Was ich Ihnen mir dieser komplizierten Sachverhaltsdarstellung sagen möchte? Ich lese nur mehr Schlagzeilen und bin ausreichend informiert. Und wenn ich dann tatsächlich einmal Zeit für Ruhe und Besinnung finde, also in meinem Großraumkörper ruhen kann, dann beginne ich die Meldungen des Wahnsinns und der Freude zu verarbeiten und zu verstehen.
Neue Studiendaten bestätigen: Gräsertablette wirkt anhaltend und verbessert Lebens- sowie Schlafqualität
Schlimm. Um ehrlich zu sein, beschämt mich diese Information ungemein. Denn, ich muss eingestehen, dass ich mir bislang weder um die Leben- noch um die Schlafqualität von Gras Gedanke gemacht habe. Weshalb auch? Ich muss am Morgen aufstehen - das Gras bleibt liegen. Ich hab nach viel Trinken einen Brummschädel - das Gras wächst und erschönt mit jedem Getränk prächtig. Und der Schlaf des Grases? Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein Gräslein in der Nacht aufwacht und aufs WC muss.
Aber bitte, ich freue mich sinnloser Weise, dass dank einer Tablette das Gras nunmehr anhaltend besser lebt und schläft.
Laufender Fernseher schadet Kindern
Diese Meldung ist für mich ja mehrfach sensationell. Sensationell allein der Umstand, dass irgend ein Genie einen Flachbildschirm entwickelt hat, der nicht nur hängbar, verschiebbar oder drehbar ist, sondern sich auch selbst fortbewegt. Vorbild kann hier nur das Essen auf Rädern, bzw. Running Sushi gewesen sein, denn wer schon dem Futter nachläuft, möchte dabei eventuell auch fernglotzen.
Sensationell dumm allerdings das Urteil, ein Running-TV-Screen könnte Kindern schaden. Wo wir doch alle wissen, dass die heutige Generation von Lehrerquälern viel zu wenig Bewegung macht. Und dass diese Nicht-Bewegung viele Stunden am Tag vor dem TV-Geräte statthält. Umso preiswürdiger halte ich deswegen eine Erfindung, die es unseren Kids ermöglicht bei gleichzeitigem Konsum ihrer Lieblingssendungen auch die leckeren Burger, Fritten und Pizzastückchen wegzulaufen. Schaden kann dem Kind solch ein Fernseher nur seelisch, wenn der Strom ausfällt, das Gerät steht und das Kind aus Gewohnheit weiterläuft. „Sch… ade, jetzt bin ich unnötig gelaufen,“ denkt sich dann so ein Kind und ist lange Zeit von der Technik frustriert.
Reizvolle Wellness-Destinationen für gestresste Performer: Luxus-Urlaube abseits des Mainstream
Diese Schlagzeile von der Reiseseite ist ein Gustostückerl für Senioren. Das ist oft gefordertes Gehirntraining pur. Nur so können Wörterbücher gewälzt werden und Alzheimer hat keine Chance. Wirklich voller Reiz ist dabei die geschickte Kombination von althochdeutschen Worten und neuhochenglischen Konstrukten.
Rauchen erregt Krebs
Schon wieder geht’s auf die Raucher los. Mir eigentlich ziemlich Wurst und auch eingepflanzte Tierschützer sollten sich nicht so prüde über sexuelle Erregungen der Krustentiere urteilen.
Wie Sie jetzt leicht nachlesen konnten, sind Schlagzeilen zur schnellen Information sehr wichtig. Nur zum verarbeiten derselbigen Information, muss man viel Zeit aufwenden.
Dienstag, 15. September 2009
Überraschungssendung
Die Sendung. Die Letzte.
21 Stunden danach tut sich im Internet noch immer nichts.
ABER: Ein kurzes Läuten an der Tür, mein bekannter, postalischer Packelherold steht davor und überreicht mir mit freundlichem Lächeln DIE Sendung.
Die digitale Welt wird somit schon wieder viel menschlicher. Die elektronische Ankündigung ist vielleicht nicht perfekt - aber mein Postler mit DHL ist es doch!
Betreutes Warten auf eine Paketsendung
Neuerdings ist das Bestellen von Waren aller brauch- oder unbrauchbarer Art per Internet der Hipp. Also ich hopp ins WWW und bestellt.
Und in Warteposition. Kommt meine Sendung per Post zu einer üblichen Tageszeit oder per Paketdienst überraschend und just in den 30 Minuten, in denen ich nicht anwesend bin?
Überraschung: Meine Sendung wählt den, dem fortgeschrittenen Internetzeitalter adäquaten, Weg und sendet mir eine E-Mail.
Sie hätte die Firma verlassen, befände sich auf dem Weg zur Paketstelle von DHL und ich könnte diesen, jenigen unter einer bestimmten Sendungsnummer stets mitgehen.
Oh, Segnung moderner Technik mit Code und Laserauge.
Tatsächlich bin ich dank besagter Webseite sofort umfassend in die Reise meiner Sendung zu mir involviert und beruhigt.
Obwohl für mein weiteres Lebensglück unerheblich, macht es doch gute Laune, zu wissen, dass um Mitternacht die elektronischen Sendungsdaten vorlagen. Warum, weshalb, wieso - einerlei, denn schon 15 Stunden und 22 Minuten später tut sich Gravierendes: meine Sendung hat die Zustellbasis verlassen.
Nun heißt es auf meiner Seite schnell zu handeln und hinter der Türe Aufstellung nehmen. Nur nicht den Sendungsübermittler verpassen.
Aber Halt. Voreiliger Trugschluss. Denn 15 Minuten später die Meldung: Die Abholung der Sendung war erfolgreich.
Tangiert mich weiter nicht, dass meine Sendung etwa 1/4 Stunde brauchte, um das Lieferauto zu erreichen. Kennen wir: Parken in der Nähe fast nie möglich.
Nach drei Stunden das nächste Signal meiner Sendung: Wurde im Einlieferungs-Paketzentrum bearbeitet.
Ich freue mich und warte…
24 Stunden später - kein Kommen, kein Gehen, keine Botschaft. Kurz eine Sorge gemacht, dann der glasklare Gedanke: Wochenende.
Da hat auch eine Sendung Anrecht auf Freizeit. Geht mit ein paar Sendungskumpelinen auf eine Pickerlparty, betreibt ein wenig Förderbandlaufen oder sieht sich im Fernsehen Sackhüpfen an.
Alles claro!
Montag. Ich zweifle, ob das wirklich meine Sendung ist. Eine FRÜHaufsteherin! Wurde sie doch tatsächlich um 04:18 in der Internationalen Paketstation bearbeitet und zwei Minuten später zum Transport ins Zielland aufgenommen.
Geduld - itzo kanns ja nicht mehr lange dauern.
Und wirklich: wir haben 13:36 und meine Sendung ist im Zielland eingetroffen - und nicht nur das. Blitzschnell hat sie in der gleichen Minute das Gateway im Zielland auch schon wieder verlassen.
Scheint nicht besonders gastlich zu sein, dieses Gateway, und zum Verweilen einzuladen…
Aber…
Knapp 20 Stunden später - und es gibt keine neue Nachricht, kein Klopfen an der Tür… Ist es an der Zeit sich doch einmal vorsorgliche Sorgen zu machen?
War das Zielland falsch? Hat sich meine Sendung im unbekannten Land verirrt? War sie einfach nur müde nach dem frühen Erwachen und hat sich ein ruhiges Plätzchen zum Dösen gesucht um in völliger Frische bei mir zu erscheinen?
Quälende Fragen. Wann kommt die Antwort - besser die Sendung?
Eine Antwort wäre mir schon in den Sinn gekommen. Was heißt DHL? Das Heißt Leiden.
Freitag, 11. September 2009
Erich Bruckberger macht’s möglich
Checke gerade die neueste, wahre Eventmeldung: Waris Dirie, Wüstenblume ungewissen Alters, kommt ins Schluckspecht-Paradies Hagenbrunn/Wien. Erich Bruckberger, Errichter des 7-Stationen-Lebenspfades mit Nachdenkeffekt, überreicht ihr dort am 10. Oktober den my way-Preis. Und 10.000 Euro. Das gibt ein Umsatzplus bei Wannemacher, Heilig & Co. Dazu singt Angela Deloni. Am nächsten Tag startet der Wüstenfilm des dürstenden Models in den Kinos.
Nach den bereits abgetretenen my way-Preisträgern, Herzverpflanzer Barnard und Katholikenherz Johannes Paul II, den sichtbar aufgetretenen Prämierten, Äthiopienwerber Böhm, Sexidol Bardot, Polenheld Walesa, den leider-nein-aufgetretenen Ausgezeichneten Königin Rania und Freiheitskämpfer Mandela, tritt nunmehr Waris Dirie auf die Bühne des Hagenbrunner Gemeindezentrums. Mehr darüber erfahren Sie jetzt bereits im Internet auf http://www.myway.at/event.htm
Bei freien Eintritt freuen sich Bürgermeister Ernst Fischer und Stifter Erich Bruckberger auf Ihren Auftritt im Zuschauerraum.
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